Die bulgarische Dystopie: „Die Farben des Grauens“ von Jordan Iwantschew

Rot wie Blut und schwarz wie die Nacht: In „Die Farben des Grauens“ (Dittrich Verlag) entwirft der bulgarische Autor Jordan Iwantschew eine dystopische Zukunftsversion Bulgariens, das nach einer schweren Wirtschaftskrise und Unruhen nicht mehr existiert. Sofia, 2002: Die verbliebenen Einwohner kämpfen zwischen Trümmern um ihr Überleben. Die Nahrungsmittel sind knapp und durch die Blockaden in den Vororten ist die Verbindung zu den Bauernhöfen der Dörfer gekappt. Auch der einstige Philosophieprofessor Vesselinow, sein Sohn Christo und der Ex-Fußballer Nedew wollen diesen Albtraum verlassen und wagen die Flucht Richtung gut bewachter Grenze, denn der Westen hat sich zwar abgeschottet, doch ihre Hoffnung auf Freiheit ist größer als die Angst. Ihr Weg wird zum Martyrium, an deren Ende das Leben oder der Tod steht.

Iwantschew schafft in seiner Dystopie eine Welt voller Schrecken und Leid. Die Menschen haben alles verloren und sind bereit, alles zu tun, um nicht zu verhungern. Der Westen hat sich angewandt, während auch in der Ukraine, Ungarn und Polen die gesellschaftlichen Werte zusammenbrechen. In seinen Schilderungen der Begegnungen und Kämpfe des Romans steht Iwantschew auf einer Stufe mit den bekannteren Werken anderer Scifi-Autoren. Wirklich überraschend sind die Situationen daher nicht und es ist schade, dass nicht näher auf die politische und gesellschaftliche Geschichte Bulgariens eingegangen wird. Hier hätte es sicher viel Potenzial gegeben, um aus dem knapp 180 Seiten umfassenden Buch eine realistischere und nachvollziehbarere Erzählung zu bauen, die sich nicht gleich wieder mit anderen ähnlichen Romanen vergleicht und sprachlich besser heraussticht. Gerade durch das abgeschlossene Philosophiestudium des Autors hätte es sicher noch einige spannende Ansätze gegeben. „Die Farben des Grauens“ verliert aus den genannten Gründen leider schnell wieder an Fahrt, nachdem das Buch gelesen wurde, ist jedoch für Dystopiefreunde sicher ein Lesevergnügen.

 

  • Taschenbuch: 150 Seiten, 16,80 € (D)
  • Verlag: Dittrich, Berlin; Auflage: 1 (7. Oktober 2011)
  • Übersetzung: Barbara Beyer
  • ISBN-13: 978-3937717579

Annika

 

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