Der KLAK Verlag: Interview mit Verleger Jörg Becken

„KLAK ist der Verlag für zeitgenössische Themen in Literatur, Sachbuch und Jugendbuch. Inhalte die das Profil des Verlages deutlich machen, können mit folgenden Begriffen umrissen werden: modernes Leben, Kulturlandschaft, Erinnerungskultur, Vergangenheitsaufarbeitung, Diktaturerfahrung, Europa, Transformationsprozesse, Migration und Minderheitenkulturen.“, lautet die Beschreibung des KLAK Verlages auf dessen Website. Der Verleger Jörg Becken hat ihn uns und seine Titel vorgestellt.

  1. Wer bist Du und wofür steht der KLAK Verlag?

Ich bin Historiker von Beruf und habe mein Berufsleben in Bibliotheken, Archiven sowie auch im soziokulturellen Bereich verbracht. Vor 12 Jahren habe ich mich mit der Firma Kulturlandschaft Aktiv selbständig gemacht. Daher der Name – KLAK steht für Kulturlandschaft Aktiv.

In diesem Rahmen habe ich Projekte und Publikationen im Bereich Tourismus, unter anderem in Polen durchgeführt sowie historische Ausstellungen kuratiert, die sich mit Diktatur-Aufarbeitung beschäftigten. Außerdem war ich immer im Bereich Migration und Minderheiten (vor allem Roma und Sinti) engagiert, nicht nur publizistisch.

Aus diesen Erfahrungen und Netzwerken generierte sich das erste Programm von KLAK, das man so umreißen kann: zeitgenössische Themen in Literatur, Sachbuch und Jugendbuch, modernes Leben, Kulturlandschaft, Erinnerungskultur, Vergangenheitsaufarbeitung, Diktaturerfahrung, Europa, Transformationsprozesse, Migration und Minderheitenkulturen.

  1. Was ist Dein Highlight der Herbstvorschau des KLAK Verlages?

Als Verleger möchte man ungern eines seiner publizistischen Kinder bevorzugen, man steckt in jedes Projekt ausreichend Herzblut, jedes hat seine eigene Geschichte und Berechtigung. Sonst könnte man diese Arbeit und den Bedingungen des Buchmarktes nicht machen. Aber ich freue mich besonders auf neue Bücher über Polen, weil sich hier langfristiges Engagement und Zusammenarbeit wiederspiegelt. Da ist einerseits ein Schelmenessay von Piotr Lachmann „Wie ich (nicht) vertrieben wurde“, andererseits der Band „Gespräche über polnische Fotografie“, der extra für dieses Buch geführte Interviews des Fotografie-Experten Jens Pepper mit den wichtigsten 20 Fotografen der letzten Jahrzehnte versammelt. Ein besonderes Zeitdokument über Kunst, Politik und Gesellschaft aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel.

Und dann gibt es noch Überraschungen aus Frankreich, Rumänien… auf die ich mich sehr freue.

  1. Wie kam es zur Veröffentlichung polnischer Titel im Programm? Warum ist es Deiner Meinung nach wichtig, die literarischen Prozesse des Nachbarlandes Polen auch in Deutschland sichtbar zu machen? Gibt es spezielle Methoden, die Deutsch-Polnische Community zu erreichen?

Mit Polen, seiner Geschichte, Kultur und Landschaft bin ich schon seit Kindheit und Jugend verbunden. Und als der Eiserne Vorhang in Europa fiel, hatten wir plötzlich die Möglichkeit, ganz neu auf zivilgesellschaftlicher Ebene etwas zu gestalten. Es ist unser wichtigstes östliches Nachbarland und ich fand, dass wir zu einem ähnlichen partnerschaftlichen Verhältnis kommen müssen, wie Westdeutschland mit Frankreich… und tatsächlich, was in den letzten 28 Jahren aufgebaut wurde, grenzt an ein Wunder und kann gar nicht genug wertgeschätzt, gepflegt und weiterentwickelt werden.

So war es natürlich, dass von den internationalen Titeln im Verlag die polnischen den Anfang bildeten. Die polnische Community in Berlin und Deutschland ist groß und gehört zu den Gruppen mit der besten Ausbildung und starken kulturellen Bedürfnissen. Aber als Verlagskunden unterscheiden sie sich nicht allzu viel von der übrigen Gesellschaft.

  1. Werden weitere osteuropäische Länder folgen? Wie triffst Du Deine Auswahl?

Es gibt bereits Bücher von Autoren aus Rumänien, Slowenien, Serbien, aber auch Argentinien, den USA. Mit der Schublade Osteuropa tue ich mich nicht nur geografisch sehr schwer. Einerseits sind die Länder und ihre Literaturen doch sehr unterschiedlich. Litauen z.B. gehört offiziell zu Nordeuropa, obwohl es natürlich die Geschichte Osteuropas teilt. Und viele Autoren schreiben über globale Themen, die auch Westeuropa angehen, z.B. Peter Johnssons Buch über „Stalins Mord in Katyn“ arbeitet die westliche und östliche Dimension dieser Tragödie und des Umgangs damit auf. Auch die Reportagen des slowenischen Autors Boštjan Videmšek über die Flüchtlingstragödie führt regionale und globale Sichtweisen zusammen. Und so könnte man die Zuordnung Osteuropa bei jedem Buch wiederlegen. Es stört mich, weil es immer eine Reduzierung des Autors und seines Anliegens bedeutet, und weil hier Erwartungen der Leser aufgebaut und bedient werden, die dem nicht gerecht werden.

Das Programm des Verlages gruppiert sich um thematische Schwerpunkte, versuchte verschiedene Perspektiven zu zeigen, aus welchem Land diese kommen, ist eigentlich zweitrangig. Es geht auch darum, die Vielfalt in Ost- Südosteuropa, also im postkommunistischen Raum zu entdecken, der ist in unserer Gesellschaft nach anfänglichem Interesse wieder ziemlich aus dem Fokus geraten und die Stereotypen erweisen sich als sehr langlebig. Hier eine gleichberechtigte Balance aufzubauen ist schon eine kulturelle Aufgabe.

  1. Was ist dein Literaturtipp aus Osteuropa?

Zu meinen Lieblingsbüchern zählt immer noch der Klassiker „Die Puppe“ von Bolesław Prus aus dem Jahr 1889. Aber auch die kroatische Gegenwartsautorin Dubravka Ugrešić hat uns viel zu erzählen.

Und wenn ich noch einen Tipp für den KLAK Verlag nennen darf: Im Herbstprogramm präsentieren wir die rumänische Autorin Doina Ruști mit ihrem Roman „Das Phantom der Mühle“, eine wunderbare und lebendige Erzählerin.

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