Verliert man die Großmutter, verliert man die Heimat: Victor Gardon „Brunnen der Vergangenheit“

3293207413Der Roman „Brunnen der Vergangenheit“ des armenisch-französischen Schriftstellers Victor Gardon alias Vahram Gakavian ist in der deutschen Übersetzung pünktlich kurz vor der wichtigen Entscheidung des Bundestages erschienen, die planmäßige Vernichtung von 1,5 Millionen Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord einzustufen. An dem Völkermord an den Armeniern von 1915 wird jedes Jahr am 24. April gedacht. Vahram Gakavian wurde 1903 in der ostanatolischen Stadt Van geboren, aus der er 1915 mit seiner Familie vertrieben wurde. Über Tiflis kam er 1923 nach Paris, wo er auch verstarb. Seine autobiografischen Romane schrieb er auf Französisch.

„Brunnen der Vergangenheit“ ist ein Roman, der sich mit einem Teil der Weltgeschichte beschäftigt, der in der Literatur eher eine Randstellung hat. Aus der westlichen Perspektive setzte sich zwar der österreichische Schriftsteller Franz Werfel 1933 mit seinem berühmten Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ mit der Vertreibung und Vernichtung der armenischen Bevölkerung im Osmanischen Reich auseinander, trotzdem ist der Roman von Victor Gardon ein besonderer Text, da der Autor selbst die Vertreibung und Vernichtung seiner Familie miterlebte.

Der kleine Wahram lebt in der Altstadt von Van mit seiner großen Familie, die von der Großmutter dominiert wird. Die enorm starke Figur der Großmutter hütet nicht nur ihre Söhne, ihre Schwiegertöchter und ihre Enkelkinder, sondern verwaltet das ganze Haus und hat immer das Sagen – auch bei den politischen Entscheidungen ihres Sohnes. Ihre Weisheiten sind das Lebenselixier der ganzen Familie. Oft sind es nur in einem Nebensatz formulierte Sprüche, die zutiefst beeindrucken:

„Es gibt keine schrecklichen Menschen, Wahram. Alle Menschen haben irgendeinen Kummer, und je mehr er sie bedrückt, umso härter werden sie. Wahram, du weißt, dass die Armenier entsetzliche Leiden erdulden mussten. Sei darum immer dienstfertig und freundlich zu allen.“

Wahram ist der einzige, der es wagt, sich den Wünschen seiner Großmutter zu widersetzen und ist überhaupt ein besonderes Mitglied der Familie. Sehr früh fängt er an, sich für die Politik und für das Leben der Erwachsenen zu interessieren. Ständig mischt er sich in den ernsten Gesprächen mit seinen Ratschlägen ein und wird immer aus dem Zimmer gescheucht, in das er sich gleich wieder durch das Fenster hineinschmuggelt. Wahram muss doch immer auf dem Laufenden sein und die existenziellen Fragen seiner Familie und seines Volkes mitdiskutieren können. Einmal begleitet er so sogar seinen Onkel Sarkis bei einer gefährlichen Reise entlang des „Tals der Armenier“, während der sie fast von den Kurden umgebracht werden und versetzt sich in Van und später während der Flucht ständig in einer lebensgefährlichen Situation.

gardon-victor-chevalierDie Idee der einheitlichen osmanischen Nation steht auf wackeligen Füßen und das sichere Leben für die armenische Bevölkerung von Van wird immer bedrohlicher. Die Angst vor den Übergriffen der Jungtürken und kurdischen Truppen wird immer größer und auf die Hilfe von Russland hoffen die Armenier immer weniger. Wahrams Vater Harutiun steht im Roman im Mittelpunkt der politischen Verhandlungen zwischen den verschiedenen Seiten und so wächst sein Sohn mit starker Liebe und großem Stolz gegenüber seiner Heimat. Die nationale Zugehörigkeit zum armenischen Volk ist bei ihm schon seit früheren Kindheit besonders ausgeprägt. Als er zum ersten Mal den Berg Ararat erblickt, wird er von den Gefühlen überwältigt:

„Er traute seinen Augen nicht. Ihm gegenüber, linker Hand, erhob sich ganz in der Ferne, fast am anderen Ende des Himmels, eine Schneekrone in die blassblaue Luft. Die flimmernde Krone war an ihrem unteren Rand von einem blau-goldenen Streifen gesäumt; dann versteckten die schweren Flanken des Berges sich hinter anderen Gipfeln, die wie aufgewühlte Wellen aussahen, welche gegen den Berg Ararat angestürmt und nun für alle Zeiten erstarrt waren. Er war es! Wahram erblickte den heiligen Berg, den Berg der Sintflut und Noahs, den höchsten Gipfel Armeniens, neben dem all die kleineren Berge wie Menschen waren, die vor dem Riesen knieten.“

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird die magische Welt von Wahram einmal mehr kräftig durchgeschüttelt und auseinandergebrochen. Die Flucht steht an. Und wenn sogar die sonst so unerschütterte Großmutter flieht, ist die Zukunft für die Familie mehr als unsicher. Mit erschreckenden Leidensbildern schildert der Autor Gardon das unermeßliche Leiden der Menschen, die tagelang ohne Wasser durch die Wüstenlandschaft wandern. Diese gefährlichen Fluchtrouten führen die Figuren entlang der massakrierten und durchgebrannten armenischen Dörfern, in denen nur noch die Hunde am Leben sind.

Der Roman von Victor Gardon ist eine wichtige Wissensquelle und zugleich eine spannende Lektüre, die uns auf das grausame Schicksal dieses Volkes im Osmanischen Reich aufmerksam macht – ein Schicksal, das immer im Schatten der vielen anderen Grausamkeiten des 20. Jahrhunderts stand und erst mit den letzten Jahren mit nötigen Interesse gewürdigt wird.

von Irine

Ein Klassiker der estnischen Literatur: „Wikmans Zöglinge“ von Jaan Kross

jaankross_wikmanszoeglinge_web150dpiTallinn, 1938: In der estnischen Hauptstadt besucht Jaak Sirkel das renommierte Wikmansche Gymnasium. Die Jahre vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sind für die jungen Männer geprägt von einer seltenen Unbeschwertheit und einem nur kurz währenden Nationalbewusstsein. Die Schüler verbringen den Alltag mit Streichen an Lehrern, versuchen Prüfungen zu umgehen und treffen sich mit neuen Freundinnen.

„Hier war die Vergangenheit über einen langen Zeitraum so bedrückend, dass jetzt, gerade jetzt – gestern, heute, morgen -, Männer und Frauen, Ideen und Taten, geboren werden müssen, auf denen sich dereinst unsere Größe begründen will. Und ich will – und Sie müssen wollen – dass das Wikmansche Gymnasium einen rühmlichen Anteil daran hat.“

Jan Kross` „Wikmans Zöglinge“ (Osburg Verlag) ist ein Klassiker der estnischen Literatur. Der Autor präsentiert in seinem Roman eine Welt, wie sie in Estland des 20. Jahrhunderts immer nur kurz Bestand hatte. Die Schüler seiner Geschichte zählten zur ersten Generation, die innerhalb eines estnischen Staates aufwuchs. Immer wieder geriet Estland zuvor als Spielball zwischen die Fronten der jeweiligen Mächte, bis das Land nach dem Ersten Weltkrieg zu einem eigenen Staat wurde. Jahrhunderte lang war die Kultur des Landes durch andere Sprachen wie deutsch und russisch geprägt, doch zur Zeit des Wikmanschen Gymnasiums ist es auch erstmals das estnische Bewusstsein, das das Land prägt und durch das die großen Romane des Landes entstehen. Jan Kross selbst veröffentlichte noch einen zweiten Band des vorliegenden Romans, der bisher jedoch nicht auf Deutsch übersetzt wurde und indem die Zeit des Zweiten Weltkrieges geschildert wird.

Das Wikmansche Gymnasium ist ein Haus der Ideale, an dem strenge Prinzipien herrschen. Der Abschlussjahrgang rund um Jaak Sirkel halten sich zwar an diese Prinzipien, tun allerdings alles, um sich den Schulalltag zu erleichtern. So wird alles daran gesetzt, unangekündigte Prüfungen zu verhindern oder die Noten ohne viel Aufwand auf ein „sehr gut“ zu bringen. Der Alltag am Gymnasium ist zwar streng organisiert, dennoch spielt „Wikmans Zöglinge“ mit viel Komödiantik und gegenseitigen Respekt. Die Schüler sollen an Zucht und Ordnung nicht brechen, sondern mit ihnen lernen und somit zu einer neuen starken Generation für das Heimatland heranwachsen.

Jaak Sirkel steht gemeinsam mit seinen Mitschülern kurz vor dem Abitur. Doch was zu einem Wechsel in das Erwachsenenleben werden soll, wird auch zu einem Kampf an der Front des Zweiten Weltkrieges, an der die Schüler auf verschiedenen Seiten kämpfen. Zwar bestimmen die letzten beiden Schuljahre einen Großteil des Romans, dennoch sind die letzten kurzen Kapitel die Höhepunkte, wenn sich die einstigen Klassenkameraden 1943 wiedertreffen – geteilt durch unterschiedliche politische Ansichten, verbunden durch viele verschiedene Schicksale. Kross spielt hier bewusst mit einem Bruch in der Geschichte, wenn er, zuvor alles detailliert beschreibend, plötzlich einige Jahre überspringt und die Leser in das kalte Wasser schmeißt.

„Wikmans Zöglinge“ ist ein monumentales Werk, das das Augenmerk auf ein kleines Land setzt, dessen Einwohner lange für ihre eigene Kultur und Geschichte kämpfen mussten. Der Roman schafft es bemerkenswert gut, in eine scheinbar harmlose Schulgeschichte elementare Identitätsfragen mit denen der Pubertät zu verweben und einer ganzen verlorenen Generation eine Stimme zu geben.

  • Gebundene Ausgabe: 580 Seiten, 24 € (D)
  • Verlag: Osburg Verlag (1. Februar 2017)
  • Übersetzung:  Irja Grönholm
  • ISBN-13: 978-3955101299

Annika

Rezension: „Gotland“ von Michael Stavarič

 

Gotland von Michael StavariSchon das Cover des Romans Gotland (Luchterhand) deutet auf eine düstere Geschichte hin. Das für einen Kriminalroman charakteristische Layout, in dem die Buchstaben des Titels im Moor zu versinken scheinen, schaffen schon ästhetisch einen passenden Vorgeschmack auf das Buch. Der Roman enthält mehrere Schichten und Ebenen, oder besser gesagt mehrere Romane in sich. Allein das Vorwort funktioniert durch seine skurrile Geschichte über einen frisch von seiner Recherchereise auf der Insel Gotland zurückgekehrten Schriftsteller, der sich in einer intensiven Schreibphase verliert. Als er die nächsten 20 000 Seiten an seine Verlegerin schickt, meldet sie sich nicht mehr und sobald er von ihrem Tod erfährt, wirft er sein Manuskript aus dem Fenster und setzt sich an eine neue Geschichte. Eben diese Erzählung ist der Roman, den wir nun lesen dürfen.

Gotland ist ein Ort, auf den sich Gott in allen Dingen, in den Menschen und in der Natur offenbart. Die Topographie der Insel gleicht mal dem Antlitz Gottes, mal dem Geschlecht einer Frau. Die in Ich-Form erzählten Kapitel folgen begrifflich der biblischen Schöpfungsgeschichte. So heißt der erste Teil des Buches „Genesis“ und die einzelnen Kapitel sind stark von den biblischen Stoffen, wie die Geschichte von Kain und Abel, beeinflusst. Mit dem zweiten Teil „Das Gutachten“ wird eine starke Zäsur in die Handlung des Romans eingeführt, da wir hier ein Gutachten des zuständigen Arztes über die Hauptfigur von Charles Hansson zu Lesen bekommen. In einer authentischen Fachsprache erfährt man von dessen Schizophrenie und von dem brutalen Mord an dessen Mutter. Auf dem ersten Blick ist dies eine Wendung durchaus konventioneller Art, aber die Leser sollten sich nicht täuschen lassen.

Zurück zur Schöpfungsgeschichte des Romans: Die Kindheit von Charles ist durch die permanente Existenz Gottes geprägt. Die alleinerziehende Mutter, die erfolgreich eine Zahnarztpraxis leitet, schwärmt stets von der Insel Gotland, auf der sie angeblich den Vater ihres Kindes kennenlernte. Die Figur des abwesenden Vaters ist eine intensive Sehnsuchtsquelle für das Kind. Zur Mutterfigur pflegt er hingegen ein ambivalentes Verhältnis, das mit der Zeit durch die perversen sexuellen Triebe geladen wird. Die Mutter dominiert seinen kompletten Handlungsraum. So muss er eine katholische Grundschule besuchen, ihre Zahnarztpraxis später übernehmen und überhaupt streng ihre Regeln folgen. Die Schule bleibt für ihn ein Raum der permanent unterdrückten Sexualität, die sich später in gewalttätigen Aktionen zeigt. Beeindruckend schildert der Ich-Erzähler den Endpunkt seiner Kindheit, der mit dem Gefühl des Aufwachens im Zusammenhang steht. Die Szene in einem Schwimmbad verändert etwas grundlegend in seinem Leben und ist damit einer der Schlüsselszenen des Romans. Als durch das Unwetter mehrere tote Tauben ins Wasser landen, beginnen die Kinder sie voller Spaß zu fangen. Zwei Mädchen, die den ersten Vogel herausholen können, geraten in Streit:

„[…] eine jede von Ihnen hatte sich einen der Flügel gekrallt, man schrie, zog und kreischte, keine wollte nachgeben… der Vogel wurde schließlich von den entfesselten Kräften auseinandergerissen. Sein Rumpf fiel auf die Fliesen, die Flügel, die in den Mädchenhänden verblieben, wurden triumphierend wie kleine Fähnchen geschenkt, ich weiß selbst nicht mehr, was mir in diesem Moment durch den Kopf schoss, es war ein weiteres, unumkehrbares Ende der sich mir entziehenden Kindheit, ein Schwimmbad hätte ich nach diesem Vorfall ohnedies nie wieder betreten.“

Die Insel gewinnt für die Hauptfigur immer mehr an Bedeutung. Sie wird zu einer Projektionsfläche für seine sexuellen Lüste, für Gottessuche und für die Erkenntnisse philosophischer Art. Sei es das Kruzifix in der Zahnarztpraxis seiner Mutter, das Jesus mit einem offenen Mund und sichtbarer Zahnreihe darstellt, oder das von ihm heimlich verhüllte Gesicht seiner Mutter beim Schlafen. Alles steht im direkten Zusammenhang mit Gott und seiner Existenz. Oft sind es sehr intime Momente, die das Kind mit der Mutter verbinden. In dieser unmittelbaren Nähe verbirgt sich aber auch unterschwellig die Gewalt, die sich erst später zeigt. Die folgende Szene schildert eindrucksvoll das intensive Mutter-Sohn Verhältnis:

„Ich erinnerte mich gut daran, dass ich wie eine übermütige, tapsige Katze zu ihr schlich, ganz leise, ihr ein hauchdünnes Seidentuch […] über Augen und Mund legte, dabei zusah, wie sich dieses sachte hob und senkte; im Tuch bildeten sich Vertiefungen, ein Relief von Mutter, wie sie dalag und ruhig weiteratmete. Du sollst dir kein Bildnis machen von Gott, hatte Mutter stets behauptet, und wenn du irgendwann etwas ganz Schlimmes tust, dann verhülle lieber schnell dein Gesicht, vor, während und nach der Beichte;“ 

Gotland ist ein Roman, der mehr als eine verstörte Mutter-Sohn-Beziehung darstellt. Zwar verliert man oft beim Lesen den roten Faden, trotzdem bleibt man in der besonderen Atmosphäre des Buches gefangen, die mit unheimlichen Passagen fast filmische Bilder schafft, die noch lange im Gedächtnis bleiben. Durch den zweiten Teil und dem Gutachten wird ein totaler Kontrast geschaffen, der durch das Heranziehen der vermeintlich authentischen Dokumente alles davor Erzählte in Frage stellt, aber zugleich ein Gefühl des Unheimlichen, des Gespenstischen vermittelt, das zutiefst beeindruckt.

von Irine

Michael Stavarič (2017): Gotland, München: Luchterhand Literaturverlag.

 


Kurzinfo zum Autor:

Der Autor Michael Stavarič publiziert bereits seit den 2000ern Jahre Gedichte, Romane und Kinderbücher, übersetzt aus dem Tschechischen Texte von GegenwartsautorInnen und ist außerdem an unterschiedlichen Universitäten in Österreich als Dozent tätig. Stavarič hat bereits als Kind die damalige Tschechoslowakei mit seiner Familie verlassen. Er schreibt auf Deutsch und ist aktuell im Verlag Luchterhand zu Hause.

 

Vom fliegenden Staubsauger und anderen „Lese-Lebewesen“: „Die Medea von Kolchis in Kolchos“ von Giwi Margwelaschwili

1692_LSeitdem der Insel-Verlag 1991 den Roman „Muzal: ein georgischer Roman“ des deutschsprachigen Autors mit georgischen Wurzeln Giwi Margwelaschwili veröffentlichte sind fast dreißig Jahre vergangen. Heute ist der Autor beim Berliner Verbrecher Verlag zu Hause und hat hier dieses Jahr den Roman „Die Medea von Kolchis in Kolchos“ herausgebracht. Margwelaschwili wurde 1927 als Sohn georgischer Emigranten in Berlin geboren. Während sein Vater  nach dem Zweiten Weltkrieg vom sowjetischen Geheimdienst hingerichtet wurde, musste der Autor selbst einige Jahre im Sowjetischen Speziallager Sachsenhausen und in unterschiedlichen Zwischenlagern verbringen.

Trotz seiner überdurchschnittlichen Produktivität gelangten Margwelaschwilis  Bücher bisher weder in Georgien noch in Deutschland zu einer breiten Leserschaft. Gründe dafür können unterschiedlich sein – einerseits ist es die besondere Spezifik seiner Prosa, die durch die komplexe Erzählweise und durch verwobene Handlungsmuster erreicht wird, andererseits wiederum baut er in seinen Geschichten bizarre thematische Wendungen und skurrile Figurenkonstellationen ein. Im Falle der Rezeption seines Werkes in Georgien kommen natürlich noch die übersetzungstechnischen Fragen hinzu. Nicht zufällig handelt eben sein aktueller Roman von der Problematik der ausbleibenden Leserschaft. Das Aussterben von Büchern und dessen Figuren wird im Roman durch eine besondere Erzähltechnik thematisiert. Die Frage, ob der Autor damit zurückblickend auf sein ganzes literarische Schaffen die rezeptionskritischen Fragen neu aufwerfen will, sei hier dahingestellt.

Der Autor Wakusch beauftragt seinen künstlichen Leser, den Ich-Erzähler, seine Geschichten „am Leben zu erhalten, am Lese-Leben also, denn in Geschichten und Gedichten leben alle Wesen nur, wenn sie gelesen werden, nur als Lese-Lebewesen.“ Die Geschichte spielt an der kaukasischen Schwarzmeerküste während der Sowjetzeit. Eine riesige Medea-Skulptur bewacht den Strand von Pitzunda. Der Polyp Polymat – der fliegende Staubsauger – reinigt wiederum die Luft vom ideenstofflichen Staub. Der teilweise überzeichnet anmutende Plot kann für viele Leser zunächst abschreckend wirken, aber nach den wenigen Seiten gewinnt man immer mehr den Überblick über die Handlungslinien.

In der fiktiven Welt werden die Bücher von Wakusch schon seit geraumer Zeit immer weniger von den Lesern aufgeschlagen. Für die Leser, die mit den Texten von Margwelaschwili vertraut sind, ist die Figur Wakusch bereits bekannt. In diesem Roman hat man es gleichzeitig mit zwei Wakusch-Gestalten zu tun – die reale Person Wakusch, der als Autor des Textes auftritt, und der lesestoffliche Wakusch als Buchfigur. Wie in anderen Texten von Margwelaschwili wird hier ebenfalls viel über die narrativen Möglichkeiten der Literatur philosophiert, die dem Autor eine unendliche Tiefe zum literarischen Experimentieren bieten können. Der Ich-Erzähler teilt uns an einer Stelle von seiner wichtigen Erkenntnis mit:

„So erfuhr ich die Wahrheit meines Seins und überhaupt allen Seins in den Wakuscherzählungen. Daß es nämlich ein textweltliches und text- oder eben buchweltpersönliches Sein ist, daß wir hier alle Lese-Lebewesen sind, Wesen also, die nur von ihrem vorstellenden Gelesenwerden durch ihre Leser leben.“

Zu diesem „erzähltheoretischen und thematischen Mischmasch“ kommt noch die Figur von Medea hinzu, die in der Sowjetunion lebt. Zu ihr liefert der Roman aber eine nicht minder kreative Antwort: Sowohl die reale historische Figur von Medea, als auch die Chefideologen der Sowjetunion – Lenin und Stalin: die „falsi apostoli“ des Kommunismus – haben sehr viele Menschen auf den Gewissen. Und warum soll die Figur von Medea den gleichnamigen Roman von Christa Wolf lesen? Vielleicht deshalb, um die mythische Geschichte von dem Mord an ihren Kindern zu korrigieren. Erzähltheoretisch würde dies auf der erzähltechnischen Ebene folgend aussehen:

„Nur darum kann diese Medea hier beruhigt sein: in ihrem standbildweltlichen Lebensmoment kann ihren Kindern durch die Korinther nichts geschehen. Aber ist die hier nicht ein besonderer Fall, steht sie nicht als Standbild im Lesestoff einer Wakuschgeschichte und muß der Standbildweltstoff aus dem sie gemacht ist, nicht in erster Linie eine lesekörperstofflicher sein?“

Die zu kritisch lesenden Leser seien an dieser Stelle schon einmal vorgewarnt. Wir finden aber, dass jenseits des auf den ersten Blick überfordernd wirkenden Plots der Roman viele kleine Perlen, um in Margwelschwilis Worten zu sprechen, im „Lesekörperstoff“ versteckt hält. Mit seiner besonders spielerisch konstruierten Sprache, in der der Autor mit Wortwiederholungen gekonnt jongliert und aus dem Höhepunkt seiner Kreativität die Wortverbindungen, wie diese, schöpft, beeindruckt uns der Roman ganz gewiss:

„(…) daß aller Lesekörperstoff unserer Text- oder Buchwelt, selbst der am realistischsten aufgemachte, ein irreales Phantasma ist und der Irrealismus deshalb als die primäre Seinsverfassung gewertet werden muß, nach der wir hier alle gelesen werdend leben.“

von Irine

Giwi Margwelaschwili: Die Medea von Kolchis in Kolchos, Berlin: Verbrecher Verlag, 2016.

Weitere Information zum Autor und zu seinen Büchern:

http://www.giwi-margwelaschwili.de/index.html

Mehr über seine Titel beim Verbrecher Verlag:

http://www.verbrecherverlag.de/autor/91

Ein albanisches Schlüsselwerk: „Schlüsselmädchen“ von Lindita Arapi

„Lodjas Mutter war eine Gefangene der familiären Inquisition. Darauf zu hoffen, dass sie sich jemals befreien würde, war aussichtslos. Sie wollte es ja selbst so. Es lag ihr im Blut.“
c_hq_schluesselmaedchen.jpgLindita Arapis „Schlüsselmädchen“ (Dittrich Verlag) behandelt die Geschichte der jungen Lodja, die das Treiben ihrer albanischen Heimatstadt als Kind nur durch ein Fenster beobachten und nie am Gesellschaftsleben teilhaben konnte. Als Familie mit einer „schwarzen Biografie“ werden Lodja und ihre Eltern von ihrer Nachbarschaft ausgegrenzt. Erst als junge Studentin im Ausland kehrt Lodja zurück, um die Geheimnisse der Vergangenheit ihrer Familie, die für ihre Ausgrenzung verantwortlich sind, zu erfahren und trifft auf die Geschichte ihres Großvaters, der sich 1952 den neuen Machthabern entgegen stellte und von ihnen gelyncht wurde.

Arapi gilt als eine der wichtigsten zeitgenössischen Autorinnen Albaniens und bekam für ihr Debüt „Schlüsselmädchen“ den albanischen Preis KULT für das Buch des Jahres. Sie lebt heute in Bonn und kann die Vergangenheit ihres Heimatlandes somit, ähnlich wie ihre Hauptfigur Lodja, aus der Ferne reflektieren. Wie autobiografisch der Roman ist, wird zwar nicht verraten, dass in Lodja jedoch die Geschichte vieler albanischer Familien steckt, kann man sicher nicht verleumden.

„Man hat mir früh die Zunge gestutzt. Heute weiß ich, dass es nicht nur die Zunge war, sondern auch das Gedächtnis.“

Es sind die albanischen Frauen, die „Schlüsselmädchen“ dominieren und prägen. Die Leser begleiten Lodja hier in verschiedenen Zeitebenen und folgen ihrer Entwicklung so vom unschuldigen Kind bis hin zu einer unabhängigen Frau, die sich endlich ihrer Vergangenheit stellt. Auf der anderen Seite ist ihre Mutter ein Charakter, der sich verschließt und mit der Ausgrenzung lebt. Als „Unantastbare“ leben beide in einer Nebengesellschaft, dessen Rolle von ihren Mitmenschen dominiert wird. Lodjas Aufwachsen wird so zu einem Spießrutenlauf, dessen Ursachen sie nicht begreifen kann. Als Studentin schafft sie es zwar, aus dem Kreislauf ihrer Vergangenheit auszubrechen, dennoch wird sie die Geschichte ihrer Heimat und die ihrer Familie nie richtig loslassen können.

„Aber wenn die Nachfahren der Ermordeten nicht verzeihen konnten und auf Rache sannen, anstatt den Blick aus Leben zu richten, wenn sie ihrer verlorenen Jugend nachtrauerten und sich vergiften ließen von der Enttäuschung, dann erstickte dieses Land an einem tödlichen Atmen.“

Lodjas Geschichte ist nicht nur ein Einzelschicksal, sondern die Geschichte ganz Albaniens, in der sich die Vergangenheit und die daraus entstandenen Konflikte widerspiegeln. Auf der Suche nach den Geheimnissen ihrer Familie wird Lodja mit einer Mauer aus Schweigen konfrontiert, der sie sich mutig entgegen stellt.
„Schlüsselmädchen“ ist damit ein wichtiges Werk zur Aufarbeitung der albanischen Geschichte und Verständigung zwischen Familien, die einst Feinde waren und nun an den Vorurteilen hängen bleiben. Gleichzeitig ist der Roman auch ein Appell, sich endlich zu öffnen. Mit einem ruhigen und bedachten Schreibstil schafft Arapi es auf den nur knapp 200 Seiten, einen komplexen Kosmos einzubinden, der sich trotz seiner Größe auf nur wenige Figuren beschränkt.

Die Originalausgabe „Vajzat me celes ne qafe“ ist 2010 bei Ideart erschienen.

Gebundene Ausgabe: 205 Seiten, 19,80 € (D)
Verlag: Dittrich, Berlin; Auflage: 1 (5. September 2012)
ISBN-13: 978-3937717852

Annika

 

Superheldinnen von besonderer Art: „Superheldinnen“ von Barbi Marković

cover_1813Superheldinnen (Residenz Verlag, 2016) ist der zweite Roman von Barbi Marković, der in deutscher Sprache vorliegt. Genauer gesagt wurde der Roman im Unterschied zum im Suhrkamp Verlag bereits 2009 erschienenen Ausgehen (Izlaženje, Verlag Rende, Belgrad 2006), das stark vom Werk des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard inspiriert wurde, zweisprachig geschrieben. Die Autorin schrieb einige Passagen auf Serbisch, die in dieser Ausgabe von Mascha Dabić ins Deutsche übertragen wurden. Das Zwischensprachliche und Zwischenkulturelle steht im Roman im Mittelpunkt. Nicht zuletzt deshalb wurde die aus Belgrad stammende Autorin dieses Jahr zusammen mit Senthuran Varatharajah mit dem Chamisso-Förderpreis 2017 ausgezeichnet. Aktuell lebt Barbi Marković in Wien.

Im Zentrum der Handlung des Romans stehen die drei Superheldinnen und Freundinnen Mascha, Direktorka und die leicht depressive Ich-Erzählerin. Alle drei können kaum unterschiedlicher sein: Sie haben übernatürliche Kräfte unterschiedlicher Art und treffen sich jeden Samstag im Café Sette Fontane in Wien, um sich über die aktuellen Pläne auszutauschen. Mascha experimentiert mit „Auslöschungen“ und „Blitzen“ und gilt als Anführerin der Gruppe. Direktorka hilft den Freundinnen dabei, die Kräfte weiter zu verstärken. Und die Ich-Erzählerin stellt sich wie folgt vor:

„Enttäuscht vom Leben, mit einem dehnbaren Gewissen. Bilanz zu ziehen hatte mir schon immer Vergnügen bereitet.“

Der Kampf für das bessere und menschenwürdige Leben kann nur gemeinsam geführt werden. Der Wechsel von Ländern und Städten ist ein Teil der Identitäten der Superheldinnen und zugleich die erste Maßnahme zu Problemlösungen. Berlin, Sarajevo und Belgrad sind Orte, in denen sich die Romanfiguren aufhalten. Überhaupt ist das nomadenhafte Leben ein fester Bestandteil des Romans. Hierzu konstatiert die Hauptfigur des Romans an einer Stelle folgendes:

„Dabei fiel mir ein, dass die Städte uns immer wieder kauten und ausschpuckten; und wir zogen unermüdlich um, vergrößerten unsere Reichweite. Es fiel mir auch ein, dass die Tauben auf die gleiche Weise herumflogen, ständig auf der Suche nach schmutzigen Terrassen mit vollen Mistkübeln, von denen niemand sie mit einem Besen verjagen würde, darüber hinaus hegten sie sogar die Hoffnung, dass ein einsamer und kranker Mensch im Ruhestand ihnen erlauben würde, ein Nest unter seinem Bett zu bauen.“

Die Superheldinnen betreiben außerdem eine Sonntagskolumne in der Zeitschrift Astroblick. Mascha, die wegen des Krieges nach Österreich übersiedelte, kam als Erste der Gruppe zum Schreiben und fühlte sich schnell ziemlich souverän auf dem Gebiet. Die „Auslöschungen“ – hier muss man gleich an den letzen Roman „Auslöschung. Ein Zerfall“ von Thomas Bernhard denken, der der Autorin eventuell ebenfalls als Inspirationsquelle diente – die die Superheldinnen ab und zu praktizierten, lassen die Menschen nicht vollständig verschwinden. Sie tauchen in besseren Bedingungen wieder auf, bleiben aber für ihr früheres Umfeld unzugänglich.

Das Leben der Figuren des Romans ähnelt dem Leben von Obdachlosen und Straßenkindern. Ohne Geld und ohne Dach auf dem Kopf ziehen sie von einer Stadt in die andere und hoffen stets auf ein besseres Leben. Die in Sarajevo Mascha nahe stehende Rabija war schon immer die Antiheldin der Gruppe. Ihr mysteriöser Tod sorgt immer noch für Spekulationen in der Gruppe; so scheint der eine Teil des Körpers, der auf dem Platz der Befreiung in Sarajevo gefunden wurde, eventuell durch den Versuch der Selbstauslöschung übrig geblieben zu sein. Die Superheldinnen wissen allerdings eins ganz genau: Sie wollen auf keinen Fall wie Rabija enden. Doch die Zeit von großen Veränderungen ist schon angetreten: „Das ist unser Happy End, und wir haben nicht vor, es uns kaputt zu machen.“

Barbi Marković hat einen etwas schwer zugänglichen Roman geschrieben, der mit vielen literarischen Formen und Stilen spielt und die Zweisprachigkeit in einer kreativen Form umsetzt. Trotz des stark verwobenen Plots und der Brüche, die durch die Passagen in der serbischen Sprache erzeugt werden, bleibt man als Leser stets bei den Romanheldinnen, die ein aufregendes Leben zu führen versuchen und sowohl zwischen den Welten als auch zwischen den brutalen Zeiten des Jugoslavienkrieges und dem modernen Berlin hin und herbewegen.

von Irine

Barbi Marković: Superheldinnen. Wien: Residenz Verlag. 2016.

Litauen auf der Leipziger Buchmesse

Bereits zum zweiten Mal ist Litauen Gastland einer deutschen Buchmesse. Schon 2002 konnte sich das kleine Land zwischen West und Ost auf der Frankfurter Buchmesse als literarischer Standort behaupten. Nun gibt es fast 15 Jahre später erneut das Motto „Fortsetzung folgt“, denn Litauen bietet fortwährend ein spannendes Programm an Kultur und Literatur. Wir haben uns unter den 26 Neuerscheinungen und Übersetzungen für dieses Jahr mal umgesehen und ein paar unserer Highlights rausgesucht.

NalIhR8NQiuErbzkApEw_9783945370100Klassiker der litauischen Literatur: „Das weiße Leintuch“ von Antanas Škėma (Guggolz Verlag)
Antanas Škėma (1910–1961) hinterließ einen Roman, der bis heute bedeutenden Einfluss auf die litauische Literatur ausübt: »Das weiße Leintuch«. Geschrieben zwischen 1952 und 1954, wurde er noch nie zuvor ins Deutsche übersetzt. Der Protagonist Antanas Garšva, ein litauischer Exilschriftsteller, arbeitet als Liftboy in einem vielstöckigen New Yorker Hotel. Antanas Garšva, Alter Ego von Antanas Škėma, ist vor den Sowjets aus Litauen geflohen, hadert aber mit der bigotten litauischen Leitkultur und der Trivialität der amerikanischen Konsumgesellschaft. In Rückblenden und Reflexionen versucht er seinen dramatischen Lebensweg zu verarbeiten und ihm einen Sinn zu geben, in der New Yorker Gegenwart findet er sich verstrickt in ein Dreiecksverhältnis mit seiner Geliebten Elena und ihrem Ehemann.

regeEinblick in das litauische Dorfleben: „Der Regengott und andere Erzählungen“ von Alvydas Šlepikas (mittdeldeutscher verlag)
Die neun Erzählungen des litauischen Meistererzählers Alvydas Šlepika sentführen in ein Dorf irgendwo in der litauischen »Provinz«. Mit viel Einfühlungsvermögen und Liebe zum Detail erzählt der Autor aus den verschiedenen Perspektiven seiner Helden in authentischer Weise leicht surrealistisch wirkende Geschichten, die zu fesseln vermögen. Unversehens wird der Leser von dieser nicht ganz alltäglichen Alltagswelt »eingesogen«, der er nur schwerlich wieder entrinnen kann.

cover_1857Drei Generationen in Chinatown: „Fische und Drachen“ von Undiné Radzevičiūtė  (Residenz Verlag)
Drei Frauengenerationen teilen eine Altstadtwohnung mitten in Chinatown: Großmutter Amigorena, Mama Nora, Autorin erotischer Kriminalromane, sowie deren erwachsene Töchter Miki und Schascha. Täglich tragen sie auf engstem Raum mit rasantem Witz ihre absurden Wortgefechte aus. Auch Schascha schreibt, allerdings über den geheimnisvollen Jesuiten und Maler Giuseppe Castiglione, der 1715–1766 am Hof des Kaisers von China lebte, doch statt diesen zu missionieren, immer tiefer in die chinesische Kultur und ihre Rätsel eintauchte. Ein umwerfend komischer Roman über zwei Kulturen, die sich anziehen und bekämpfen, verehren und missverstehen, über eine Faszination, der Schascha genauso erliegt wie Jahrhunderte vor ihr der Jesuit Castiglione.

9783866602144Ein Essay über die Hassliebe zwischen Litauen und Russen: „Moskauer Pelmeni“ von Laurynas Katkus (Leipziger Literaturverlag)
Dieser autobiographische Essay erkundet die geschichtlich motivierte Hassliebe zwischen Litauern (stellvertretend für Ostmitteleuropäer) und Russen. Aufgewachsen in einer zweisprachigen Umgebung im sowjetischen Vilnius, schildert der Autor Einflüsse der russischen Denkweise, Reisen durch Russland, die Auseinandersetzung mit der russischen Literatur und Kunst sowie die Jahre der Perestroika, die Unabhängigkeitsbewegung und schließlich persönliche Bekanntschaften mit russischen Schriftstellern und Intelektuellen. In Litauen wurde der Essay noch vor der Ukraine-Krise veröffentlicht und löste ein weites Echo in der Literaturkritik aus. Die gegenwärtigen Schwierigkeiten des Westens, Russlands Mentalität zu verstehen, verleihen ihm erneut Aktualität.

46763Reisen nach Litauen: „Mein litauischer Führerschein – Ausflüge zum Ende der Europäischen Union“ von Felix Ackermann (Suhrkamp)
Was hält Europa heute zusammen? Wie gehen die Menschen in Litauen mit der Freiheit um, die sie vor einem Vierteljahrhundert gewonnen haben? Wie funktioniert die Europäische Union an ihren östlichen Außengrenzen, zwischen Kaliningrad und der Republik Belarus? Statt über diese Fragen am Berliner Schreibtisch nachzudenken, bricht Felix Ackermann 2011 auf, um Gastwissenschaftler in der litauischen Hauptstadt zu werden. Seine Familie erlebt in Wilna ein Europa der ganz praktischen Herausforderungen. Die Kinder lernen Litauisch und werden zu kleinen Patrioten erzogen. Seine Frau bringt eine Tochter zur Welt, die sogleich einen litauischen Personencode erhält. Und er selbst macht endlich doch noch seinen Führerschein in einer Kleinstadt namens Utena.

Mehr Litauen? Eine Übersicht aller Titel gibt es hier.

Weitere spannende Links rund um den Gastlandauftritt:

„Die Welt“ über den Besuch verschiedener Redakteure in Litauen.
„Litauen auf der Buchmesse“ – zdf aspekte hat einige litauische Autoren besucht und mit ihnen über das Verhältnis zu Russland gesprochen
Zusammenstellung einiger Veröffentlichungen auf br.de
Bericht über Claudia Sinnig, eine der wichtigsten Übersetzerinnen litauischen Literatur