Armenien, Rumänien und Ungarn: Drei Länderberichte

Wir möchten euch drei weitere Reiseberichte vorstellen, die wir in den letzten Wochen gelesen haben. Diesmal geht unsere Reise von Mittel- und Osteuropa bis in den Kaukasus.

51fhbXo7zvLConstanze Johns „40 Tage in Armenien“ (DuMont) ist eine Liebeserklärung an dieses spannende Land, das gerade einmal so groß wie Brandenburg ist und den meisten mittlerweile leider lediglich durch den furchtbaren Völkermord 1915 und 1916 ein Begriff ist. Anderthalb Monate reist die Autorin durch Armenien und konzentriert sich dabei auf die Kultur des Landes. Sie berichtet von den vielen Kirchen und Klöstern, begleitet befreundete Archäologen zu Ausgrabungen und entdeckt die außergewöhnliche Sprache. Wichtige Aspekte ihrer Berichte sind aber auch die politischen Entwicklungen und die gesellschaftlichen Probleme. Nach und nach entsteht so das Bild einer unterschätzten Perle. Mein Fazit: Armenien muss definitiv auf die Reiseliste!

produkt-12384Nach meinem Erasmussemester ist Budapest die Stadt meines Herzens. In „Gebrauchsanweisung für Budapest und Ungarn“ (Piper) lässt auch der Autor Viktor Iro seine Liebe spüren und stellt das Land mit seinen Einwohnern und seiner Kultur vor. In verschiedenen Kapiteln geht er u.a. auf Geschichte, Esskultur, Architektur und Popkultur ein. Die Gebrauchsanweisung wird so zu einer kurzen vielseitigen Einführung in dieses kleine stolze Land. Der Fokus liegt zwar klar auf Budapest, doch als Leser kommt man der ungarischen Kultur auf den 220 Seiten deutlich näher. Hin und wieder ist der Überblick wirklich nur ein Überblick und viele spannende Themen fehlen, doch wer nicht ohne Hintergrundwissen nach Budapest fahren möchte, dem sei dieses Buch empfohlen!

618IoKpyKLLWas die „Gebrauchsanweisung für Budapest und Ungarn“ an Informationen ansprechend filtert und in thematisch sortierten Kapiteln zusammenfast, ist in der „Gebrauchsanweisung für Rumänien“ (Piper) leider so überladen, dass ich das Buch bereits nach der Hälfte abgebrochen und wirklich nichts im Kopf behalten habe. Leider reiht der Autor Jochen Schmidt so viele Fakten aneinander, dass ich schon nach wenigen Seiten nicht mehr wusste, wo mir der Kopf steht und das Gefühl hatte, ein verschriftlichtes Stichwortverzeichnis zu lesen. Schmidt schreibt und berichtet und erklärt und verdeutlicht – was dabei fehlt, ist der Fokus auf eine Thematik. So besteht das Buch aus Begegnungen und Erlebnissen, die ihn an etwas erinnern, die ihn wiederum dazu veranlassen, über etwas zu schreiben. Er springt so von Name zu Ort, Begegnung zu Name, Name zu Datum usw. Sicher beweist der Autor hier seine Kenntnisse zu Rumänien, doch leider verliert er ab der ersten Seite den Fokus. Ich war sehr enttäuscht und kann diese Ausgabe der Piper-Reihe leider keinesfalls empfehlen.

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Zwischen grünen Alleen, gelben Straßen und einem Aufstieg auf den Berg: Ein Wochenende in Sofia

Als unsere Maschine aus Berlin abends um halb zehn in Sofia zur Landung ansetzte, hatte ich viele Bilder im Kopf: Graue Betonklotze im sowjetischen Stil, viel Verkehr, wenig Natur und wenig Sehenswertes. So beschränkte sich meine Vorstellung der Hauptstadt Bulgariens eher auf Negatives und natürlich sollte diese so schnell wie möglich revidiert werden. Schon auf dem Weg zu unserer Unterkunft im Zentrum viel uns eines auf; die vielen Bäume in den Straßen und das mediterrane Klima sorgten sofort für ein angenehmes Urlaubsgefühl. Schnell wurde mir klar, dass meine Vorurteile Sofias gegenüber definitiv vergessen werden mussten.

Die archäologischen Ausgrabungen direkt im Zentrum an der Metro

Die Mutter unserer Vermieterin empfing uns herzlich in der über ein Hotelportal gebuchten Wohnung und erklärte uns trotz der Sprachbarriere alles, was wir wissen mussten. In der Dunkelheit gab es leider noch nicht zu viel zu sehen, doch gleich am ersten Morgen überraschte uns der Anblick des Witoschagebirges, das sich vor Sofia erhebt und immer wieder majestätisch zwischen den Häuserreihen hervorlugte. Ein kurzer Spaziergang sollte uns zum Treffpunkt der „Sofia Free Walking Tour“ führen und führte uns vorbei an kleinen Geschäften, charmanten Straßenbahnen und einer Straße, in der an kleinen Ständen und Tischen regelmäßig Bücher verkauft werden. Auch hier zeigte sich wieder das Bild einer wirklich grünen und belebten Stadt.

Wahrzeichen der Stadt: Die Alexander-Newski-Kirche

Die Free Walking Tour mit unserem unterhaltsamen Guide Stanislav führte uns vorbei an den Sehenswürdigkeiten Sofias. Neben den vielen beeindruckenden religiösen Häusern, die eine angenehme Multikultistimmung ergeben (auf nur einem Quadratkilometer stehen sich beispielsweise problemlos eine Moschee, eine Kirche und eine Synagoge direkt gegenüber), bietet die Stadt viele Museen, Shoppingmöglichkeiten und rund um das Highlight, der Alexander-Newski-Kathedrale, ganz im Stil des „Zauberer von Oz“ eine gelb gepflasterte Straße. Ein angeblich königliches Geschenk oder teurer Klimbim? Man ist sich uneinig – zumal die gelben Steine bei Regen gefährlich rutschig werden. Spannend sind auch die archäologischen Ausgrabungen des alten Sofias direkt in einer zentralen Metrostation, auf die man nur stößt, wenn man sich die Stufen hinabwagt.

Der Nationale Kulturpalast Sofias ist der Mittelpunkt der Stadt

Entspannung und Natur bieten die Berge rund um Sofia. Hier hatten wir uns einen Tag später der „Sofia Green Tour“ angeschlossen, die mit dem Start am Unesco-Weltkulturerbe, der Kirche von Bojana, steil zu einem verwunschenen See und dem Bojana-Wasserfall führt. Für unsportliche Menschen wie mich ist der Aufstieg wirklich eine Herausforderung, belohnt wird man dafür sicher mit einem grandiosen Ausblick – sicher, weil wir uns leider mitten in einer Regenwolke befanden und uns somit die weite Ferne verwehrt blieb. Im Winter kann man hier übrigens auch Skifahren.

Das gelbe Kopfsteinpflaster im Zentrum ist der ideale Platz für herrschaftliche Autos

Unsere Zeit in Sofia war leider viel zu schnell vorbei und wir konnten nur einen kleinen Einblick in das Leben hier bekommen – generell haben wir an diesem Wochenende festgestellt, dass Bulgarien so viel mehr bietet als die von mir befürchtete trostlose Atmosphäre und den Strandurlaub am Schwarzen Meer. Unser Reiseführer versprach mit dem Startpunkt Sofia noch so viel mehr Sehenswertes und wir kommen sicher bald zurück, um noch mehr von diesem vielseitigen Land zu sehen!

Annika