Ein Klassiker der estnischen Literatur: „Wikmans Zöglinge“ von Jaan Kross

jaankross_wikmanszoeglinge_web150dpiTallinn, 1938: In der estnischen Hauptstadt besucht Jaak Sirkel das renommierte Wikmansche Gymnasium. Die Jahre vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sind für die jungen Männer geprägt von einer seltenen Unbeschwertheit und einem nur kurz währenden Nationalbewusstsein. Die Schüler verbringen den Alltag mit Streichen an Lehrern, versuchen Prüfungen zu umgehen und treffen sich mit neuen Freundinnen.

„Hier war die Vergangenheit über einen langen Zeitraum so bedrückend, dass jetzt, gerade jetzt – gestern, heute, morgen -, Männer und Frauen, Ideen und Taten, geboren werden müssen, auf denen sich dereinst unsere Größe begründen will. Und ich will – und Sie müssen wollen – dass das Wikmansche Gymnasium einen rühmlichen Anteil daran hat.“

Jan Kross` „Wikmans Zöglinge“ (Osburg Verlag) ist ein Klassiker der estnischen Literatur. Der Autor präsentiert in seinem Roman eine Welt, wie sie in Estland des 20. Jahrhunderts immer nur kurz Bestand hatte. Die Schüler seiner Geschichte zählten zur ersten Generation, die innerhalb eines estnischen Staates aufwuchs. Immer wieder geriet Estland zuvor als Spielball zwischen die Fronten der jeweiligen Mächte, bis das Land nach dem Ersten Weltkrieg zu einem eigenen Staat wurde. Jahrhunderte lang war die Kultur des Landes durch andere Sprachen wie deutsch und russisch geprägt, doch zur Zeit des Wikmanschen Gymnasiums ist es auch erstmals das estnische Bewusstsein, das das Land prägt und durch das die großen Romane des Landes entstehen. Jan Kross selbst veröffentlichte noch einen zweiten Band des vorliegenden Romans, der bisher jedoch nicht auf Deutsch übersetzt wurde und indem die Zeit des Zweiten Weltkrieges geschildert wird.

Das Wikmansche Gymnasium ist ein Haus der Ideale, an dem strenge Prinzipien herrschen. Der Abschlussjahrgang rund um Jaak Sirkel halten sich zwar an diese Prinzipien, tun allerdings alles, um sich den Schulalltag zu erleichtern. So wird alles daran gesetzt, unangekündigte Prüfungen zu verhindern oder die Noten ohne viel Aufwand auf ein „sehr gut“ zu bringen. Der Alltag am Gymnasium ist zwar streng organisiert, dennoch spielt „Wikmans Zöglinge“ mit viel Komödiantik und gegenseitigen Respekt. Die Schüler sollen an Zucht und Ordnung nicht brechen, sondern mit ihnen lernen und somit zu einer neuen starken Generation für das Heimatland heranwachsen.

Jaak Sirkel steht gemeinsam mit seinen Mitschülern kurz vor dem Abitur. Doch was zu einem Wechsel in das Erwachsenenleben werden soll, wird auch zu einem Kampf an der Front des Zweiten Weltkrieges, an der die Schüler auf verschiedenen Seiten kämpfen. Zwar bestimmen die letzten beiden Schuljahre einen Großteil des Romans, dennoch sind die letzten kurzen Kapitel die Höhepunkte, wenn sich die einstigen Klassenkameraden 1943 wiedertreffen – geteilt durch unterschiedliche politische Ansichten, verbunden durch viele verschiedene Schicksale. Kross spielt hier bewusst mit einem Bruch in der Geschichte, wenn er, zuvor alles detailliert beschreibend, plötzlich einige Jahre überspringt und die Leser in das kalte Wasser schmeißt.

„Wikmans Zöglinge“ ist ein monumentales Werk, das das Augenmerk auf ein kleines Land setzt, dessen Einwohner lange für ihre eigene Kultur und Geschichte kämpfen mussten. Der Roman schafft es bemerkenswert gut, in eine scheinbar harmlose Schulgeschichte elementare Identitätsfragen mit denen der Pubertät zu verweben und einer ganzen verlorenen Generation eine Stimme zu geben.

  • Gebundene Ausgabe: 580 Seiten, 24 € (D)
  • Verlag: Osburg Verlag (1. Februar 2017)
  • Übersetzung:  Irja Grönholm
  • ISBN-13: 978-3955101299

Annika

Rezension: „Gotland“ von Michael Stavarič

 

Gotland von Michael StavariSchon das Cover des Romans Gotland (Luchterhand) deutet auf eine düstere Geschichte hin. Das für einen Kriminalroman charakteristische Layout, in dem die Buchstaben des Titels im Moor zu versinken scheinen, schaffen schon ästhetisch einen passenden Vorgeschmack auf das Buch. Der Roman enthält mehrere Schichten und Ebenen, oder besser gesagt mehrere Romane in sich. Allein das Vorwort funktioniert durch seine skurrile Geschichte über einen frisch von seiner Recherchereise auf der Insel Gotland zurückgekehrten Schriftsteller, der sich in einer intensiven Schreibphase verliert. Als er die nächsten 20 000 Seiten an seine Verlegerin schickt, meldet sie sich nicht mehr und sobald er von ihrem Tod erfährt, wirft er sein Manuskript aus dem Fenster und setzt sich an eine neue Geschichte. Eben diese Erzählung ist der Roman, den wir nun lesen dürfen.

Gotland ist ein Ort, auf den sich Gott in allen Dingen, in den Menschen und in der Natur offenbart. Die Topographie der Insel gleicht mal dem Antlitz Gottes, mal dem Geschlecht einer Frau. Die in Ich-Form erzählten Kapitel folgen begrifflich der biblischen Schöpfungsgeschichte. So heißt der erste Teil des Buches „Genesis“ und die einzelnen Kapitel sind stark von den biblischen Stoffen, wie die Geschichte von Kain und Abel, beeinflusst. Mit dem zweiten Teil „Das Gutachten“ wird eine starke Zäsur in die Handlung des Romans eingeführt, da wir hier ein Gutachten des zuständigen Arztes über die Hauptfigur von Charles Hansson zu Lesen bekommen. In einer authentischen Fachsprache erfährt man von dessen Schizophrenie und von dem brutalen Mord an dessen Mutter. Auf dem ersten Blick ist dies eine Wendung durchaus konventioneller Art, aber die Leser sollten sich nicht täuschen lassen.

Zurück zur Schöpfungsgeschichte des Romans: Die Kindheit von Charles ist durch die permanente Existenz Gottes geprägt. Die alleinerziehende Mutter, die erfolgreich eine Zahnarztpraxis leitet, schwärmt stets von der Insel Gotland, auf der sie angeblich den Vater ihres Kindes kennenlernte. Die Figur des abwesenden Vaters ist eine intensive Sehnsuchtsquelle für das Kind. Zur Mutterfigur pflegt er hingegen ein ambivalentes Verhältnis, das mit der Zeit durch die perversen sexuellen Triebe geladen wird. Die Mutter dominiert seinen kompletten Handlungsraum. So muss er eine katholische Grundschule besuchen, ihre Zahnarztpraxis später übernehmen und überhaupt streng ihre Regeln folgen. Die Schule bleibt für ihn ein Raum der permanent unterdrückten Sexualität, die sich später in gewalttätigen Aktionen zeigt. Beeindruckend schildert der Ich-Erzähler den Endpunkt seiner Kindheit, der mit dem Gefühl des Aufwachens im Zusammenhang steht. Die Szene in einem Schwimmbad verändert etwas grundlegend in seinem Leben und ist damit einer der Schlüsselszenen des Romans. Als durch das Unwetter mehrere tote Tauben ins Wasser landen, beginnen die Kinder sie voller Spaß zu fangen. Zwei Mädchen, die den ersten Vogel herausholen können, geraten in Streit:

„[…] eine jede von Ihnen hatte sich einen der Flügel gekrallt, man schrie, zog und kreischte, keine wollte nachgeben… der Vogel wurde schließlich von den entfesselten Kräften auseinandergerissen. Sein Rumpf fiel auf die Fliesen, die Flügel, die in den Mädchenhänden verblieben, wurden triumphierend wie kleine Fähnchen geschenkt, ich weiß selbst nicht mehr, was mir in diesem Moment durch den Kopf schoss, es war ein weiteres, unumkehrbares Ende der sich mir entziehenden Kindheit, ein Schwimmbad hätte ich nach diesem Vorfall ohnedies nie wieder betreten.“

Die Insel gewinnt für die Hauptfigur immer mehr an Bedeutung. Sie wird zu einer Projektionsfläche für seine sexuellen Lüste, für Gottessuche und für die Erkenntnisse philosophischer Art. Sei es das Kruzifix in der Zahnarztpraxis seiner Mutter, das Jesus mit einem offenen Mund und sichtbarer Zahnreihe darstellt, oder das von ihm heimlich verhüllte Gesicht seiner Mutter beim Schlafen. Alles steht im direkten Zusammenhang mit Gott und seiner Existenz. Oft sind es sehr intime Momente, die das Kind mit der Mutter verbinden. In dieser unmittelbaren Nähe verbirgt sich aber auch unterschwellig die Gewalt, die sich erst später zeigt. Die folgende Szene schildert eindrucksvoll das intensive Mutter-Sohn Verhältnis:

„Ich erinnerte mich gut daran, dass ich wie eine übermütige, tapsige Katze zu ihr schlich, ganz leise, ihr ein hauchdünnes Seidentuch […] über Augen und Mund legte, dabei zusah, wie sich dieses sachte hob und senkte; im Tuch bildeten sich Vertiefungen, ein Relief von Mutter, wie sie dalag und ruhig weiteratmete. Du sollst dir kein Bildnis machen von Gott, hatte Mutter stets behauptet, und wenn du irgendwann etwas ganz Schlimmes tust, dann verhülle lieber schnell dein Gesicht, vor, während und nach der Beichte;“ 

Gotland ist ein Roman, der mehr als eine verstörte Mutter-Sohn-Beziehung darstellt. Zwar verliert man oft beim Lesen den roten Faden, trotzdem bleibt man in der besonderen Atmosphäre des Buches gefangen, die mit unheimlichen Passagen fast filmische Bilder schafft, die noch lange im Gedächtnis bleiben. Durch den zweiten Teil und dem Gutachten wird ein totaler Kontrast geschaffen, der durch das Heranziehen der vermeintlich authentischen Dokumente alles davor Erzählte in Frage stellt, aber zugleich ein Gefühl des Unheimlichen, des Gespenstischen vermittelt, das zutiefst beeindruckt.

von Irine

Michael Stavarič (2017): Gotland, München: Luchterhand Literaturverlag.

 


Kurzinfo zum Autor:

Der Autor Michael Stavarič publiziert bereits seit den 2000ern Jahre Gedichte, Romane und Kinderbücher, übersetzt aus dem Tschechischen Texte von GegenwartsautorInnen und ist außerdem an unterschiedlichen Universitäten in Österreich als Dozent tätig. Stavarič hat bereits als Kind die damalige Tschechoslowakei mit seiner Familie verlassen. Er schreibt auf Deutsch und ist aktuell im Verlag Luchterhand zu Hause.

 

Ein Jahrhundert Georgien: „Das achte Leben (für Brilka)“ von Nino Haratischwili

Nino Haratischwilis „Das achte Leben (für Brilka)“ (Frankfurter Verlagsanstalt) ist mit seinen über 1200 Seiten ein wichtiges Werk für die Aufarbeitung der georgischen Geschichte. Über 6 Generationen spannt sich dieser gewaltige Roman der heute in Hamburg lebenden Autorin, der 1900  beginnt und bis in die Gegenwart reicht. Im Mittelpunkt des Buches stehen die Frauen einer Familie in der georgischen Hauptstadt Tbilisi, deren Schicksal in einzelnen Epochen erzählt wird.

Mit harschen Worten beschreibt Haratischwili das Leben der Familie um Ururgroßmutter Stasia, die zwar zu Beginn als Besitzerin einer Schokoladenfabrik in der Oberschicht lebt, aber mit der zunehmenden Gewalt, der Hilflosigkeit und dem Wunsch nach Freiheit in anderen Ländern immer mehr zusammenbricht und verarmt. Hier sind es nicht nur die äußeren politischen Einflüsse, die prägen, sondern auch die gewalttätigen Familienaußeinandersetzungen und verlorenen Träume. Wie viel Leid kann eine einzige Person ertragen? In diesem Roman möchte man oft die Augen verschließen und die Kapitel überspringen. Während des Lesens wird der Wunsch immer größer, dass doch endlich einmal eine Episode durch Glück und Liebe geprägt sein soll – vergebens. Es ist nur konsequent erzählt, wenn Haratischwili den Lesern keine Pause gönnt und auch ihnen den letzten Funken Hoffnung raubt, denn vor der Realität sollte niemand die Augen verschließen, so grausam sie auch sein mag.

Es sind die vielen verschiedene Figuren, die aus „Das achte Leben“ einen Erzählepos machen, der seinesgleichen sucht.  Hervorragend und intensiv recherchiert präsentiert Haratischwili hier eine komplexe Erzählung, die das gesamte letzte Jahrhundert der georgischen Geschichte umspannt und dabei nichts auslässt. Zwar mögen die einzelnen Handlungsstränge der Familie teilweise auch zu konstruiert, zu grauenhaft wirken, doch die Konflikte Georgiens als Teil der UdSSr und der Bürgerkrieg nach dem Fall des Eisernen Vorhangs prägen auch diese realistische Geschichte und sind somit elementarer Teil des Romans. Bedauernswert ist, dass wohl viele eigentlich Interessierte bei diesem Seitenumfang zurückschrecken und sich somit die Chance nehmen, die Geschichte Georgiens und seiner Frauen für sich zu entdecken. Fakt ist, dass Haratschwili einer der großen Stimmen der georgisch-deutschen Gegenwartsliteratur ist und in „Das achte Leben“ eine historische Geschichte kunstvoll in die Romangestalt einwebt, die für viele Leser leider fremd sein wird. Besonders spannend ist hierbei, dass Haratischwili diesen Roman auf Deutsch schrieb, obwohl sie in ihm die georgische Geschichte verarbeitet. Die Autorin, die ihre Romane ausschließlich auf Deutsch schreibt, ist damit ebenfalls in der Migrationsliteratur zu Hause, zählt sie doch zu den deutschen Schriftstellerinnen, die in ihrem Herkunftsland zwar übersetzt werden, aber noch lange nicht den gleichen Erfolg haben wie in ihrer neuen Heimat. Auch „Das achte Leben“ wird auch wie ihre bisherigen Roman derzeit in Georgien übersetzt, der Erscheinungstermin ist allerdings noch unklar. Hier kennt man die Autorin eher als Dramatikerin, deren Theaterstücke in Tbilisi aufgeführt werden.

Weiterführende Interviews mit der Autorin

„Mein Anspruch ist jedoch nicht, fortzubilden, ich habe keine endgültigen Antworten. Um meine Fragen beantworten zu können, habe ich mich auf eine Odyssee begeben, habe recherchiert und parallel weiter geschrieben, das war für mich eine außergewöhnliche Arbeitsweise.“Nino Haratischwili im Interview mit faust über ihre Arbeit am Roman

„Ich finde, Schreiben ist Gegenwart. Es geschieht immer im Verhältnis zu dem Ort, an dem ich mich aufhalte. Über ihn reflektiere ich, auf ihn reagiere ich. Und inzwischen finde ich es für mich auch legitim, das auf Deutsch zu tun.“ – Nino Haratschwili im Interview mit der taz über ihr Verhältnis zu Georgien, Deutschland und ihre Identität als Schriftstellerin

Annika

Vom fliegenden Staubsauger und anderen „Lese-Lebewesen“: „Die Medea von Kolchis in Kolchos“ von Giwi Margwelaschwili

1692_LSeitdem der Insel-Verlag 1991 den Roman „Muzal: ein georgischer Roman“ des deutschsprachigen Autors mit georgischen Wurzeln Giwi Margwelaschwili veröffentlichte sind fast dreißig Jahre vergangen. Heute ist der Autor beim Berliner Verbrecher Verlag zu Hause und hat hier dieses Jahr den Roman „Die Medea von Kolchis in Kolchos“ herausgebracht. Margwelaschwili wurde 1927 als Sohn georgischer Emigranten in Berlin geboren. Während sein Vater  nach dem Zweiten Weltkrieg vom sowjetischen Geheimdienst hingerichtet wurde, musste der Autor selbst einige Jahre im Sowjetischen Speziallager Sachsenhausen und in unterschiedlichen Zwischenlagern verbringen.

Trotz seiner überdurchschnittlichen Produktivität gelangten Margwelaschwilis  Bücher bisher weder in Georgien noch in Deutschland zu einer breiten Leserschaft. Gründe dafür können unterschiedlich sein – einerseits ist es die besondere Spezifik seiner Prosa, die durch die komplexe Erzählweise und durch verwobene Handlungsmuster erreicht wird, andererseits wiederum baut er in seinen Geschichten bizarre thematische Wendungen und skurrile Figurenkonstellationen ein. Im Falle der Rezeption seines Werkes in Georgien kommen natürlich noch die übersetzungstechnischen Fragen hinzu. Nicht zufällig handelt eben sein aktueller Roman von der Problematik der ausbleibenden Leserschaft. Das Aussterben von Büchern und dessen Figuren wird im Roman durch eine besondere Erzähltechnik thematisiert. Die Frage, ob der Autor damit zurückblickend auf sein ganzes literarische Schaffen die rezeptionskritischen Fragen neu aufwerfen will, sei hier dahingestellt.

Der Autor Wakusch beauftragt seinen künstlichen Leser, den Ich-Erzähler, seine Geschichten „am Leben zu erhalten, am Lese-Leben also, denn in Geschichten und Gedichten leben alle Wesen nur, wenn sie gelesen werden, nur als Lese-Lebewesen.“ Die Geschichte spielt an der kaukasischen Schwarzmeerküste während der Sowjetzeit. Eine riesige Medea-Skulptur bewacht den Strand von Pitzunda. Der Polyp Polymat – der fliegende Staubsauger – reinigt wiederum die Luft vom ideenstofflichen Staub. Der teilweise überzeichnet anmutende Plot kann für viele Leser zunächst abschreckend wirken, aber nach den wenigen Seiten gewinnt man immer mehr den Überblick über die Handlungslinien.

In der fiktiven Welt werden die Bücher von Wakusch schon seit geraumer Zeit immer weniger von den Lesern aufgeschlagen. Für die Leser, die mit den Texten von Margwelaschwili vertraut sind, ist die Figur Wakusch bereits bekannt. In diesem Roman hat man es gleichzeitig mit zwei Wakusch-Gestalten zu tun – die reale Person Wakusch, der als Autor des Textes auftritt, und der lesestoffliche Wakusch als Buchfigur. Wie in anderen Texten von Margwelaschwili wird hier ebenfalls viel über die narrativen Möglichkeiten der Literatur philosophiert, die dem Autor eine unendliche Tiefe zum literarischen Experimentieren bieten können. Der Ich-Erzähler teilt uns an einer Stelle von seiner wichtigen Erkenntnis mit:

„So erfuhr ich die Wahrheit meines Seins und überhaupt allen Seins in den Wakuscherzählungen. Daß es nämlich ein textweltliches und text- oder eben buchweltpersönliches Sein ist, daß wir hier alle Lese-Lebewesen sind, Wesen also, die nur von ihrem vorstellenden Gelesenwerden durch ihre Leser leben.“

Zu diesem „erzähltheoretischen und thematischen Mischmasch“ kommt noch die Figur von Medea hinzu, die in der Sowjetunion lebt. Zu ihr liefert der Roman aber eine nicht minder kreative Antwort: Sowohl die reale historische Figur von Medea, als auch die Chefideologen der Sowjetunion – Lenin und Stalin: die „falsi apostoli“ des Kommunismus – haben sehr viele Menschen auf den Gewissen. Und warum soll die Figur von Medea den gleichnamigen Roman von Christa Wolf lesen? Vielleicht deshalb, um die mythische Geschichte von dem Mord an ihren Kindern zu korrigieren. Erzähltheoretisch würde dies auf der erzähltechnischen Ebene folgend aussehen:

„Nur darum kann diese Medea hier beruhigt sein: in ihrem standbildweltlichen Lebensmoment kann ihren Kindern durch die Korinther nichts geschehen. Aber ist die hier nicht ein besonderer Fall, steht sie nicht als Standbild im Lesestoff einer Wakuschgeschichte und muß der Standbildweltstoff aus dem sie gemacht ist, nicht in erster Linie eine lesekörperstofflicher sein?“

Die zu kritisch lesenden Leser seien an dieser Stelle schon einmal vorgewarnt. Wir finden aber, dass jenseits des auf den ersten Blick überfordernd wirkenden Plots der Roman viele kleine Perlen, um in Margwelschwilis Worten zu sprechen, im „Lesekörperstoff“ versteckt hält. Mit seiner besonders spielerisch konstruierten Sprache, in der der Autor mit Wortwiederholungen gekonnt jongliert und aus dem Höhepunkt seiner Kreativität die Wortverbindungen, wie diese, schöpft, beeindruckt uns der Roman ganz gewiss:

„(…) daß aller Lesekörperstoff unserer Text- oder Buchwelt, selbst der am realistischsten aufgemachte, ein irreales Phantasma ist und der Irrealismus deshalb als die primäre Seinsverfassung gewertet werden muß, nach der wir hier alle gelesen werdend leben.“

von Irine

Giwi Margwelaschwili: Die Medea von Kolchis in Kolchos, Berlin: Verbrecher Verlag, 2016.

Weitere Information zum Autor und zu seinen Büchern:

http://www.giwi-margwelaschwili.de/index.html

Mehr über seine Titel beim Verbrecher Verlag:

http://www.verbrecherverlag.de/autor/91

Ein albanisches Schlüsselwerk: „Schlüsselmädchen“ von Lindita Arapi

„Lodjas Mutter war eine Gefangene der familiären Inquisition. Darauf zu hoffen, dass sie sich jemals befreien würde, war aussichtslos. Sie wollte es ja selbst so. Es lag ihr im Blut.“
c_hq_schluesselmaedchen.jpgLindita Arapis „Schlüsselmädchen“ (Dittrich Verlag) behandelt die Geschichte der jungen Lodja, die das Treiben ihrer albanischen Heimatstadt als Kind nur durch ein Fenster beobachten und nie am Gesellschaftsleben teilhaben konnte. Als Familie mit einer „schwarzen Biografie“ werden Lodja und ihre Eltern von ihrer Nachbarschaft ausgegrenzt. Erst als junge Studentin im Ausland kehrt Lodja zurück, um die Geheimnisse der Vergangenheit ihrer Familie, die für ihre Ausgrenzung verantwortlich sind, zu erfahren und trifft auf die Geschichte ihres Großvaters, der sich 1952 den neuen Machthabern entgegen stellte und von ihnen gelyncht wurde.

Arapi gilt als eine der wichtigsten zeitgenössischen Autorinnen Albaniens und bekam für ihr Debüt „Schlüsselmädchen“ den albanischen Preis KULT für das Buch des Jahres. Sie lebt heute in Bonn und kann die Vergangenheit ihres Heimatlandes somit, ähnlich wie ihre Hauptfigur Lodja, aus der Ferne reflektieren. Wie autobiografisch der Roman ist, wird zwar nicht verraten, dass in Lodja jedoch die Geschichte vieler albanischer Familien steckt, kann man sicher nicht verleumden.

„Man hat mir früh die Zunge gestutzt. Heute weiß ich, dass es nicht nur die Zunge war, sondern auch das Gedächtnis.“

Es sind die albanischen Frauen, die „Schlüsselmädchen“ dominieren und prägen. Die Leser begleiten Lodja hier in verschiedenen Zeitebenen und folgen ihrer Entwicklung so vom unschuldigen Kind bis hin zu einer unabhängigen Frau, die sich endlich ihrer Vergangenheit stellt. Auf der anderen Seite ist ihre Mutter ein Charakter, der sich verschließt und mit der Ausgrenzung lebt. Als „Unantastbare“ leben beide in einer Nebengesellschaft, dessen Rolle von ihren Mitmenschen dominiert wird. Lodjas Aufwachsen wird so zu einem Spießrutenlauf, dessen Ursachen sie nicht begreifen kann. Als Studentin schafft sie es zwar, aus dem Kreislauf ihrer Vergangenheit auszubrechen, dennoch wird sie die Geschichte ihrer Heimat und die ihrer Familie nie richtig loslassen können.

„Aber wenn die Nachfahren der Ermordeten nicht verzeihen konnten und auf Rache sannen, anstatt den Blick aus Leben zu richten, wenn sie ihrer verlorenen Jugend nachtrauerten und sich vergiften ließen von der Enttäuschung, dann erstickte dieses Land an einem tödlichen Atmen.“

Lodjas Geschichte ist nicht nur ein Einzelschicksal, sondern die Geschichte ganz Albaniens, in der sich die Vergangenheit und die daraus entstandenen Konflikte widerspiegeln. Auf der Suche nach den Geheimnissen ihrer Familie wird Lodja mit einer Mauer aus Schweigen konfrontiert, der sie sich mutig entgegen stellt.
„Schlüsselmädchen“ ist damit ein wichtiges Werk zur Aufarbeitung der albanischen Geschichte und Verständigung zwischen Familien, die einst Feinde waren und nun an den Vorurteilen hängen bleiben. Gleichzeitig ist der Roman auch ein Appell, sich endlich zu öffnen. Mit einem ruhigen und bedachten Schreibstil schafft Arapi es auf den nur knapp 200 Seiten, einen komplexen Kosmos einzubinden, der sich trotz seiner Größe auf nur wenige Figuren beschränkt.

Die Originalausgabe „Vajzat me celes ne qafe“ ist 2010 bei Ideart erschienen.

Gebundene Ausgabe: 205 Seiten, 19,80 € (D)
Verlag: Dittrich, Berlin; Auflage: 1 (5. September 2012)
ISBN-13: 978-3937717852

Annika

 

Exil auf Georgisch: „Touristenfrühstück“ von Zaza Burchuladze

Bb_Touristenfrühstück_Bundeskakadu.indd„Touristenfrühstück“ (Georgisch Turistis Sauzme, Sulakauri 2015) ist der zweite Roman vom georgischen Autor Zaza Burchuladze, der nun in der deutschen Übersetzung erschienen ist – an dieser Stelle sei die wunderbare Leistung der Übersetzerin Natia Mikeladze-Bachsoliani gewürdigt. Die Buchprämiere, die am 15. März in Berlin im Literarischen Kolloquium am Wannsee stattfand, wurde von der deutsch-georgischen Autorin Nino Haratischwili moderiert, die für den Roman auch das Nachwort mit dem Titel „Landschaften des Exils“ verfasste. Die deutschsprachigen Leser sind mit den Romanen von Haratischwili bereits bestens vertraut, vor allem nach dem Erscheinen ihres dritten Romans „Das achte Leben. Für Brilka“, der das breite Lesepublikum begeisterte.

Der Roman handelt von einem Alter Ego des Schriftstellers – dem Autor Burchuladze, der aus Georgien nach Berlin ausgewandert ist. Die tagebuchartige Form des Buches folgt in ihrer Handlung dem Ich-Erzähler durch seinen Alltag in Berlin. Da der Roman viele biografischen Parallele zum eigentlichen Autor Burchuladze zieht und die Figuren aus dem realen Leben des Schriftstellers einführt, entsteht der Eindruck, dass die Grenze zwischen Fiktion und Realität immer mehr verwischt wird. Privates und Intimes werden hier skrupellos mit den Lesern geteilt. Reale Personen aus seinem früheren Leben in Tbilisi sowie seine neuen Bekanntschaften aus Berlin kommen im Roman ebenfalls vor. Mal ist er am Gesundbrunnen, mal am Görlitzer Bahnhof oder Humboldthain, oder läuft vom Alex zum Dussmann an der Friedrichstrasse, um den neun Roman von Jonathan Franzen zu kaufen und stößt im Regal doch zufällig dabei auf sein eigenes Buch.

Über die Emigration, über das Schreiben aus der Distanz und über den Perspektivwechsel auf das Heimatland durch das Exil wird im Roman viel nachgedacht – wie auch im folgenden Zitat:

„Die Heimat kann nur verlassen werden, wenn alles abgeschnitten wird, was einen damit verbindet. Alles, was sich in eine innere Emigration verwandeln kann. Das ist ein rein technisches Detail. Wichtig ist der Moment, wenn die Vergangenheit abgeworfen wird, wie der Schwanz einer Eidechse. Zu fliehen, ohne sich umzudrehen, ohne einen Blick zurück, wenn vom Himmel Schwefel und Feuer niedergeht. Es ist ja bekannt, dass der Blick zurück nichts Gutes bringt, wie bei Lots Frau, die deshalb zur Salzsäule erstarrt.“

Die literarischen Ohrfeigen werden in allen Büchern von Burchuladze immer gnadenlos ausgeteilt – auch dieser Roman ist keine Ausnahme. Mal sind es die georgischen Literaturkritiker, die sich hier in Witzfiguren verwandeln und dabei namentlich genannt werden, mal die Vertreter der georgischen Regierung – So zum Beispiel der jetzige georgische Botschafter in Berlin. Das permanente Spiel mit den realen und fiktiven Handlungsebenen sowie das mit der ständigen Selbstinszenierung wird hier in ihrer Gänze ausgeschöpft. Der fiktive Zaza Burchuladze wird durch den Ich-Erzähler durch das Sieb aller Kritiken geführt. Auch Georgier müssen hier einiges einstecken. Sätze wie diese waren bei der Lesung im lcb zu hören: „Wir sind zwar ein Volk wie ein Häufchen Scheiße, aber so hübsch, dass es schade darum wäre, uns das Klo runterzuspülen.“ In Georgien mögen sich manche Leserinnen und Leser über die Äußerungen des fiktiven Autors Burchuladze aufregen, bei dem Berliner Publikum sorgte dieser Satz jedoch nur für einen Lacher. Burchuladze ist im Roman sowohl arrogant als auch bescheiden, was stückweit etwas neues für seine Prosa ist. Er ist der Autor – wie er selbst am Anfang des Romans feststellt – eines halben Romans und einigen Erzählungen – ein „FIRST CLASS SECOND HAND AUTOR“ eben.

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Welche Gefühle und Gedanken verbinden den Erzähler noch mit seiner Heimat? Die Sehnsucht nach Tbilisi wird an einer Stelle sehr vorsichtig und in einem leicht nostalgischen Ton formuliert. Berlin war und bleibt für ihn ein leerer Raum, Tbilisi hingegen ist ein Raum mit Spiegeln, wo er sich selbst permanent reflektiert sieht. Von einem Heimweh kann man hier nicht im klassischen Sinne sprechen. Vielmehr sind es die einzelnen Fragmente aus seinem früheren Leben, die der Erzähler nun aus der Ferne nachtrauert:

„Dafür vermisse ich die Straßenfeger, die am frühen Morgen in der Stadt ausschwärmen. Natürlich gibt es in Berlin auch Straßenfeger, aber sie sind bei Weitem nicht so artistisch wie unsere. Der Berliner Straßenfeger reinigt die Bürgersteige gründlich, als bereite er die Stadt für einen chirurgischen Eingriff, der Tbilisser benützt den Besen wie der Künstler einen Pinsel.“

Der Roman lebt von Vergleichen aller Art, die teilweise mit dem einfachen Namedropping konstruiert werden. Dies hindert allerdings den Lesefluss und man hat oft als Leserin den Eindruck, dass die Namen von bekannten Schriftstellern, Musikern und Denkern nur um Nennungs willen in die Erzählung eingeführt werden.

Zaza Burchuladze hat mit „Touristenfrühstück“ einen Roman vorgelegt, der nicht nur das Exildasein des Autors literarisch aufarbeitet, sondern zugleich ein intimes Selbstporträt in den Zwischenraum Berlin-Tbilisi entwirft, das trotz einiger stilistischen und erzählerischen Schwächen überzeugt. Einerseits taucht man als Leserin in das Wahrheit-Fiktion-Spiel ein, andererseits stellt man aber selbst die vermeintlichen Selbstentlavrungs- und Selbsthinterfragungsmanöver des Autors ständig in Frage. Vielleicht ist dies auch das größte Verdienst des Buches, die Grenzen zwischen den beiden Polen derart zu verschieben und miteinander zu vermischen, dass man beim Lesen des Romans letztendlich nicht von der Verwobenheit der Frage abwenden kann.

von Irine

Zaza Burchuladze: Touristenfrühstück. Blumenbar Verlag, 2017 (Übersetzung: Natia Mikeladze-Bachsoliani)

Originalausgabe: ზაზა ბურჭულაძე: ტურისტის საუზმე, ბაკურ სულაკაურის გამომცემლობა, 2015.

Superheldinnen von besonderer Art: „Superheldinnen“ von Barbi Marković

cover_1813Superheldinnen (Residenz Verlag, 2016) ist der zweite Roman von Barbi Marković, der in deutscher Sprache vorliegt. Genauer gesagt wurde der Roman im Unterschied zum im Suhrkamp Verlag bereits 2009 erschienenen Ausgehen (Izlaženje, Verlag Rende, Belgrad 2006), das stark vom Werk des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard inspiriert wurde, zweisprachig geschrieben. Die Autorin schrieb einige Passagen auf Serbisch, die in dieser Ausgabe von Mascha Dabić ins Deutsche übertragen wurden. Das Zwischensprachliche und Zwischenkulturelle steht im Roman im Mittelpunkt. Nicht zuletzt deshalb wurde die aus Belgrad stammende Autorin dieses Jahr zusammen mit Senthuran Varatharajah mit dem Chamisso-Förderpreis 2017 ausgezeichnet. Aktuell lebt Barbi Marković in Wien.

Im Zentrum der Handlung des Romans stehen die drei Superheldinnen und Freundinnen Mascha, Direktorka und die leicht depressive Ich-Erzählerin. Alle drei können kaum unterschiedlicher sein: Sie haben übernatürliche Kräfte unterschiedlicher Art und treffen sich jeden Samstag im Café Sette Fontane in Wien, um sich über die aktuellen Pläne auszutauschen. Mascha experimentiert mit „Auslöschungen“ und „Blitzen“ und gilt als Anführerin der Gruppe. Direktorka hilft den Freundinnen dabei, die Kräfte weiter zu verstärken. Und die Ich-Erzählerin stellt sich wie folgt vor:

„Enttäuscht vom Leben, mit einem dehnbaren Gewissen. Bilanz zu ziehen hatte mir schon immer Vergnügen bereitet.“

Der Kampf für das bessere und menschenwürdige Leben kann nur gemeinsam geführt werden. Der Wechsel von Ländern und Städten ist ein Teil der Identitäten der Superheldinnen und zugleich die erste Maßnahme zu Problemlösungen. Berlin, Sarajevo und Belgrad sind Orte, in denen sich die Romanfiguren aufhalten. Überhaupt ist das nomadenhafte Leben ein fester Bestandteil des Romans. Hierzu konstatiert die Hauptfigur des Romans an einer Stelle folgendes:

„Dabei fiel mir ein, dass die Städte uns immer wieder kauten und ausschpuckten; und wir zogen unermüdlich um, vergrößerten unsere Reichweite. Es fiel mir auch ein, dass die Tauben auf die gleiche Weise herumflogen, ständig auf der Suche nach schmutzigen Terrassen mit vollen Mistkübeln, von denen niemand sie mit einem Besen verjagen würde, darüber hinaus hegten sie sogar die Hoffnung, dass ein einsamer und kranker Mensch im Ruhestand ihnen erlauben würde, ein Nest unter seinem Bett zu bauen.“

Die Superheldinnen betreiben außerdem eine Sonntagskolumne in der Zeitschrift Astroblick. Mascha, die wegen des Krieges nach Österreich übersiedelte, kam als Erste der Gruppe zum Schreiben und fühlte sich schnell ziemlich souverän auf dem Gebiet. Die „Auslöschungen“ – hier muss man gleich an den letzen Roman „Auslöschung. Ein Zerfall“ von Thomas Bernhard denken, der der Autorin eventuell ebenfalls als Inspirationsquelle diente – die die Superheldinnen ab und zu praktizierten, lassen die Menschen nicht vollständig verschwinden. Sie tauchen in besseren Bedingungen wieder auf, bleiben aber für ihr früheres Umfeld unzugänglich.

Das Leben der Figuren des Romans ähnelt dem Leben von Obdachlosen und Straßenkindern. Ohne Geld und ohne Dach auf dem Kopf ziehen sie von einer Stadt in die andere und hoffen stets auf ein besseres Leben. Die in Sarajevo Mascha nahe stehende Rabija war schon immer die Antiheldin der Gruppe. Ihr mysteriöser Tod sorgt immer noch für Spekulationen in der Gruppe; so scheint der eine Teil des Körpers, der auf dem Platz der Befreiung in Sarajevo gefunden wurde, eventuell durch den Versuch der Selbstauslöschung übrig geblieben zu sein. Die Superheldinnen wissen allerdings eins ganz genau: Sie wollen auf keinen Fall wie Rabija enden. Doch die Zeit von großen Veränderungen ist schon angetreten: „Das ist unser Happy End, und wir haben nicht vor, es uns kaputt zu machen.“

Barbi Marković hat einen etwas schwer zugänglichen Roman geschrieben, der mit vielen literarischen Formen und Stilen spielt und die Zweisprachigkeit in einer kreativen Form umsetzt. Trotz des stark verwobenen Plots und der Brüche, die durch die Passagen in der serbischen Sprache erzeugt werden, bleibt man als Leser stets bei den Romanheldinnen, die ein aufregendes Leben zu führen versuchen und sowohl zwischen den Welten als auch zwischen den brutalen Zeiten des Jugoslavienkrieges und dem modernen Berlin hin und herbewegen.

von Irine

Barbi Marković: Superheldinnen. Wien: Residenz Verlag. 2016.